WARUM EINE SCHLANGE? 

Von Pfarrerin Margrit Flaschmann



Im Sommer 2016 fanden Mitglieder unseres Gemeindekirchenrates beim Aufräumen im Pfarrhaus diese Standarte. 


Wir haben uns gefreut, etwas aus der Vergangenheit zu entdecken. Wir haben uns natürlich auch gefragt, warum unsere Altvorderen die Schlange als Zeichen gewählt haben, welche Botschaft wollten sie vermitteln?

Wir wissen aus Erzählungen, dass die „Alten Ringleber“ sehr gläubige und bibelfeste Leute waren. Ihnen war also sehr bewusst, dass die Schlange aus der Paradiesgeschichte das Symbol des Bösen, der Sünde ist. Und sie kannten mit Sicherheit den Text aus dem 4. Buch Mose, Kapitel 21, Vers 4 - 9: die Aufrichtung der ehernen Schlange in der Wüste durch Mose.

Ich kann mir gut vorstellen, dass unser Wappen sich auf diese Geschichte bezieht.

Der Text erzählt von dem großen Murren des jüdischen Volkes Gott gegenüber.

Es ist noch gar nicht solange her, da hat Gott sein Volk aus ägyptischer Gefangenschaft durch Mose befreien lassen. Er hat sie durchs rote Meer geführt, dem gelobten Land entgegen, immer nach Hause ..!

Doch der Weg durch die Wüste war weit und schwer - Hunger und Durst waren groß.

Das Volk fing an zu murren gegen Gott und gegen Mose.

Dieses Murren ist die Brücke zu uns, zu allen Menschen aller Zeiten.

Hier wird ein allzu menschliches Verhalten gespiegelt, das jeder kennt:

Wenn es Menschen gut geht, vergessen sie Gott ganz schnell, danken nicht für Brot, Wasser und Frieden, danken nicht für all die großen und kleinen Wohltaten des Lebens.

Doch wenn das Leben schwer wird – wie eine Wüstenwanderung -  kommt Gott wieder ins Bewusstsein, aber nicht positiv, sondern negativ. ER wird angeklagt: warum ich? Wie kann Gott das zulassen? Unzufriedenheit und Vorwürfe breiten sich aus. Menschen zweifeln an Gott, verlieren ihren Glauben. Und man denkt auch nicht mehr an die guten Zeiten, die man geschenkt bekommen hat. Es bleibt nur die Anklage.

Das, sagt Gott, ist die große Schuld meines Volkes, das sich immer wieder von mir abgewendet hat.

Schuld ist ein Lebensthema für alle Menschen, dem man sich aber nicht gern zuwendet.

Ich glaube, in dem die alten Ringleber die Schlange als Symbol gewählt haben wollten sie sagen wie wichtig es ist, sich mit dem Phänomen Schuld und Sünde zu beschäftigen.

Tun wir es, weil wir ihren Erfahrungen glauben und sie ernst nehmen.

Schuld gibt es in vielerlei Weise:

Es kann dieses unreflektierte, unzufriedene Murren sein, es kann aber auch Hochmut sein oder

Unbarmherzigkeit; es kann Bestätigungssucht oder Geldgier sein oder irgendeine andere Form von
Ichsucht - Sünde hat viele Gesichter.

Und Sünde vergiftet, wie die Schlangen, das Leben, Beziehungen, die eigene Seele ..!

Wie gehen wir damit um?

Gibt es etwas, was hilft, vielleicht sogar heilt?

Darauf gibt der Bibeltext eine Antwort:

Gott sagt zu Mose: richte eine eherne Schlange auf an einer Standarte und wer sie anschaut wird gerettet.

Geheimnisvolle Rede der Heiligen Schrift.

Im Anschauen der eigenen Schuld liegt unsere Rettung.

Wir vermeiden es natürlich, vehement in den eigenen Lebensspiegel zu schauen. 

Und wenn wir schon hineinblicken, sind wir ein bisschen wie die Stiefmutter von Schneewittchen, die wollte auch nur das Schöne sehen und nicht die Schlange im Herzen.

Doch erst, wenn wir den Mut haben, hinzuschauen und uns ehrlich erkennen und bekennen, kann uns Vergebung zuteil werden, die rettet und heilt.

Unseren Vorfahren war es scheinbar sehr wichtig darüber nachzudenken und danach zu leben, sie kannten wohl ihre Schuld und waren über alles dankbar für Gottes Gnade.


© Evangelische Kirchgemeinde Ringleben